Schätze der Wissenschaft

Professor Wolfgang Schürer über die Lindauer Tagung der Nobelpreisträger

Wissenschaft verbindet Menschen – über die Grenzen unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Fachdisziplinen hinweg. Dies bewahrheitet sich jedes Jahr aufs Neue, wenn in Lindau am Bodensee 20 bis 30 Nobelpreisträger mit Hunderten von jungen Forschern aus aller Welt zu den „Lindau Nobel Laureate Meetings“ zusammenkommen. „Es gibt weltweit keinen vergleichbaren Anlass, bei dem  Nachwuchswissenschaftler aus rund 80 Ländern intensiv mit Nobelpreisträgern interagieren“, sagt Professor Wolfgang Schürer.

Der 67-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der „Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee“ und Vize-Präsident des „Kuratoriums für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau e.V.“ Beide Institutionen wirken zusammen, um diese hochkarätigen Wissenschaftstreffen in inhaltlicher, organisatorischer und finanzieller Hinsicht zu ermöglichen.  Im jährlichen Wechsel liegt der Schwerpunkt auf Physik, Chemie und Medizin. Hinzu kamen vor einigen Jahren die Wirtschaftswissenschaften. Ihre Einzigartigkeit verdanken diese Tagungen der Kombination von persönlicher Begegnung und wissenschaftlichem Austausch. „Dieser Idee wohnt von Beginn an ein Zauber inne, der alle Beteiligten in den Bann zieht“, sagt Wolfgang Schürer.  

Das Ziel der Gründung im Jahre 1951 war es, die durch den Nationalsozialismus zerstörten internationalen Verbindungen der deutschen Wissenschaft wieder aufzunehmen. Die visionäre, weil zeitlose Idee zu diesen Tagungen hatten seinerzeit die beiden Lindauer Ärzte Franz Karl Hein und Gustav Parade. Einen begeisterten Förderer fanden sie in Graf Lennart Bernadotte von der Insel Mainau. Er entstammte dem schwedischen Königshaus und hatte gute Verbindungen zum Nobelpreiskomitee in Stockholm. Er amtierte als Präsident des Kuratoriums bis 1987, gefolgt von seiner Frau Sonja. Im Jahre 2008 übernahm ihre Tochter Bettina dieses Amt.

In all diesen Jahren haben sich die „Lindau Meetings“ stark weiter entwickelt und internationalisiert. Dem Geist der Gründung und ebenso dem Städtchen Lindau sind sie treu geblieben – aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte, aufgrund der Schönheit dieser kleinteilig strukturierten Stadt und aufgrund ihrer Einbettung in die Bodenseeregion mit ihrer eigenständigen Identität jenseits gezogener Grenzen. „Hier blüht die europäische Idee im Kleinen“, erklärt Professor Schürer. Zudem sei diese Region eine der Wiegen der abendländischen Kultur, auch der Lernkultur. Darin sieht er eine große Parallele zu den Treffen der Nobelpreisträger.  

Mit ihrem inzwischen legendären „Spirit of Lindau“ reicht die Wirkung der Tagungen weit über diese eine Juni-Woche hinaus. „Die Nachwuchswissenschaftler sagen, dass das Erlebnis dieser Woche in Lindau für ihren wissenschaftlichen Weg und für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit eine außergewöhnliche Bedeutung hat“, berichtet der Stiftungsvorsitzende. Kontakte, die den gesamten Globus umspannen, werden in Lindau geknüpft und oft viele Jahre lang gepflegt. „Dieser Dialog ist etwas ganz Ungewöhnliches“, sagt Schürer. Zunehmend wird auch die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, am Lindauer Dialog teilzunehmen, etwa durch Ausstellungen und Online-Projekte auf www.lindau-nobel.org.

Perspektiven für die Zukunft ergeben sich aus einem weiteren Projekt: Weil alle Vorträge in Lindau von Anfang an aufgezeichnet wurden, hat sich hier eine „Schatztruhe der Wissenschaft“ gefüllt, wie Wolfgang Schürer sagt. Sie wird jetzt zu einer Mediathek aufgearbeitet, die die virtuelle Teilnahme an den Tagungen ermöglicht – auch im Nachhinein. Bei all dem geht es immer wieder um dieselbe Grundidee, aktualisiert im Kontext der Zeit: Wissenschaft verbindet.

Schätze der Wissenschaft
Wolfgang Schürer

Steckbrief

Name: Professor Wolfgang Schürer

Alter: 67

Infografik